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thesen_zur_inhaltlichen_weiterentwicklung

Die in der IG-Freiraum organisierten Projekte sind auf Räume angewiesen. Um nachhaltig arbeiten zu können brauchen sie Räume, die einerseits preiswert sind und andererseits zumindest mittelfristig sicher sind. Zwischennutzungen und Anmietung von Räumen am freien Markt werden durch die zunehmende Konkurrenz immer schwieriger. Auch die Dresdner Mieter sind von steigenden Mieten und Raumknappheit betroffen. Von 2008 bis 2012 stieg die durchschnittliche Miete pro Quadratmeter um 8,8%, die Inflationsrate betrug im gleichen Zeitraum lediglich 5,3%. Der Leerstand ist bis Anfang 2013 auf unter 3 % geschrumpft, während die Bevölkerungsprognosen gleichzeitig von einen Bevölkerungssaldo von etwa 20 bis 50 Tausend Menschen bis 2025 ausgehen. Dementsprechend müssten in den nächsten 12 Jahren etwa 800 bis 2000 Wohnungen pro Jahr neu gebaut werden um auf den derzeitigen Stand zu bleiben. Für Neubauwohnungen werden verschiedentlich Quadratmetermieten von 8 bis 9 € oder noch höher angenommen, also etwa das eineinhalbfache der derzeitigen Durchschnittsmiete von 5,46 € pro Quadratmeter. Dazu kommt etwa ein Drittel der Neu- und Umbauten Eigentumswohnungen sind, die nicht zur Vermietung zur Verfügung stehen. Die Mieten werden also in den nächsten 10 Jahren sowohl für Projekte als auch für Wohnungsmieter stark steigen.

Die nicht kommerziellen Dresdner Projekte sind auf preisgünstige Räume angewiesen und treten damit potentiell zu Menschen in Konkurrenz die auf ALG2 oder Wohngeld angewiesen sind. In diesem Marktsegment gibt es bereits Heute viel zu wenig Angebote, Verdrängung von Menschen und Projekten ist die Folge, etwa beim Umsonstladen oder der Praxis C9. In der Öffentlichkeit präsenter sind die Konflikte, die sich um den Neubau von Luxuswohnungen entfachen, etwa beim Freiraum Elbtal oder der Blauen Fabrik. Damit die nicht kommerziellen Projekte in Zukunft nicht nach dem Prinzip „Kultur ist wichtig, aber Wohnen ist wichtiger“ gegen Wohnungsmieter ausgespielt werden, ist es für die IG-Freiraum unverzichtbar Belange von Mieterinnen und Mietern in ihre Arbeit einzubeziehen. Dafür spricht auch, dass die Anliegen der IG insgesamt mehr politisches Gewicht erlangen, was insbesondere im Hinblick auf die Stadtratswahl 2014 wichtig wird. Die politisch Verantwortlichen ziehen sich derzeit noch aus der Verantwortung, etwa wenn die Nutzung leerstehender städtischer Immobilien mit immer neuen Gründen verweigert wird, städtisches Eigentum verkauft und eklatante Probleme, wie die kommende Wohnungsnot, geleugnet werden. Die IG sollte im Sinne der Projekte auf einen Politikwechsel hinarbeiten, ohne damit eine Aussage über Mehrheitsverhältnisse oder einen zu hohen Anspruch an repräsentative Interessenvertretung zu knüpfen.

Die IG sollte neben der Vernetzung und gemeinsamen Repräsentation der Projekte gegenüber der Öffentlichkeit und der Politik, auch die Information über und die Organisation gegen Verdrängung im weiteren Sinne angehen.

Quellen:

  • Destatis
  • Wohnungsmarktberichte der Stadt Dresden 2009 und 2011
  • Mietspiegel 2013
  • Statistische Mitteilungen — Bauen und Wohnen 2012
  • „Wir bieten bezahlbare Wohnungen“ Sächsiche Zeitung 16.01.2013
  • „Quo vadis Dresdner Wohnungsmarkt?“ Mieterverein Dresden und Umgebung e.V.
thesen_zur_inhaltlichen_weiterentwicklung.txt · Last modified: 2013/10/27 18:01 by 141.30.246.250