Polizeikessel auf der Prager Straße, während des der Fahrraddemonstration R:Ausflug am 23.03.2013

Gedächtnisprotokoll eines Straßenmusikers in Dresden

Gestern erreichte uns das Gedächtnisprotokoll eines Straßenmusikers, der auf der Prager Straße von der Polizei unter Gewaltanwendung abgeführt wurde. Den Hintergrund bildet dabei die seit 1.August gültige und noch vom alten Stadtrat verabschiedete „Sondernutzungssatzung“, welche das Aufführen von Straßenkunst streng reglementiert und kriminalisiert.

Am Dienstag, den 26.August 2014, mache ich Musik in der Prager Straße. Ohne Verstärker, eine schmale Gitarre und mein Gesang. Der alte Mann der immer die Lose für die Frauenkirche verkauft ruft die Polizei weil er mich weg haben will. Die Leute freuen sich über meine Musik – wie immer – und geben auch ganz gutes Geld. Ein Polizist und vermutlich ein Praktikant in Zivil, noch recht jung, vieleicht 20, erscheinen.

Der Polizist und ich reden. Ich packe meine Sachen und will gehen. Der Polizist hält mich fest, weil er mich mit auf die Wache nehmen will. Ich versuche mich loszureißen, werde aber festgehalten. Ein Wachmann – vermutlich von der Centrum-Galerie oder vom Globetrotter – und der Polizist halten mich von beiden Seiten.

Ich versuche mich loszureißen, spreche die Leute in der Prager Straße laut an, rufe laut um Hilfe. Bald steht ein großer Pulk um das Geschehen herum. Leute kommen, wollen helfen, geraten auch in (Wort-)Konflikt mit denen die mich immer mehr nieder drücken und versuchen mir Handschellen anzulegen, was ihnen schließlich gelingt.

Ich schreie laut und weine, habe Schmerzen an den Handgelenken. Ich werde von dem Polizisten auch im Schwitzkasten gehalten. Verstärkung der Polizei trifft ein. Ich werde brutal über den Boden gezogen, geschleift, mein Kopf wird niedergedrückt. Ich muss im schnellen Tempo mit der Polizei mitgehen – den Kopf tief nieder gedrückt, von beiden Seiten gehalten – und zwar von vor der Centrum-Galerie, Richtung Treppen, vor den Treppen rechts um die Ecke, Richtung Parkplatz – nur schnell weg von der Öffentlichkeit!!!

Ich kann nicht mehr laufen, ich konnte einfach nicht mehr, es tat verdammt weh!
Ich rufe: „Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr!“ wieder und wieder. „Ich will mich hinsetzen, bitte!“. Sie stoppen nicht, laufen schnell, ich lasse mich fallen, weil ich nicht mehr laufen kann. Ich bin an diesem Tag wie immer Barfuß unterwegs. Ich werde geschleift, meine nackten Füße über den Asphalt, mit Handschellen auf dem Rücken, den Kopf tief niedergepreßt, in schnellem Tempo. Ich rufe: „Ich will mich hinsetzen!“. Sie stoppen nicht.
Am Parkplatz darf ich mich völlig entkräftet setzen, mein Kopf wird noch immer niedergedrückt. Schließlich lässt man zu, dass ich mich auf den Boden legen darf. Ich liege, weine, bin völlig am Ende.

Ich werde in Auto verfrachtet. Die Handschellen werden mir erst abgenommen, nachdem ich längere Zeit auf dem Revier gesessen habe, den Kopf entkräftet auf den Tisch gelegt!
Erst als ich das Revier verlassen habe kann ich aufhören zu weinen. Ich habe Verletzungen im Gesicht, an den Füßen, am Knie, Schmerzen am rechten Bein, Schmerzen in der linken Rippengegend, einen Krampf in der linken Wade. Ich kann nicht richtig gehen, muss humpeln.

Bitte verstehe was hier passiert ist. Ich mache wunderschöne Musik – schon seit 6 Jahren in der Prager Straße in Dresden. Allen gefällt es sehr gut! Ich verdiene gutes Geld damit.
Die Leute zahlen so gut, das es schnell einmal 20 € in der Stunde sein können. Es gefällt, und zwar sehr gut! Ich werde von einem alten verbitterten Sack, neidisch und süchtig die Straße unter seiner Kontrolle zu haben und Menschen die nichts mit der Sache zu tun haben – der Polizei und einem Kaufhauswachmann – brutal und gewalttätig fertig gemacht, dafür dass ich 6 Jahre gutes in die Straße gebracht habe.
Die Musik gibt den Menschen viel, sehr viel. Und entsprechend geben sie Gutes – Geschenke, Freundschaft, Geld – zurück. Die neidische und verbitterte Minderheit hat sich der Mehrheit unterzuordnen! Wenn viele dafür sind, müssen die wenigen sich unterordnen, sollen nachdenken, Musik und Schönheit, Gutes und das Leben verstehen. Der Polizist der zuerst da war erklärte die Tatsache, dass die Mehrheit entscheidet für Quatsch. Für ihn gilt es anscheinend ohne nachzudenken gewalttätige und schwachsinnige Aktionen durchzuführen.

Bitte verstehe das unglaubliche Unrecht, das mir heute angetan wurde. Ich spreche aus der Sichtweise des Lebens, der Liebe und der Freiheit und in ihrem Namen werde ich weiter Musik machen. Ich brauche das Geld für Unterkunft und Unterhalt. Es ist mein Recht mich frei zu entfalten und Musik zu machen, gerade in der Prager Straße. Dieses Recht werde ich mir nicht nehmen lassen! Ich werde davon gebrauch machen, wann immer ich will. Wer ein Problem hat, darf mir das gerne sagen und wir reden. Aber ich lasse mich nicht anblaffen – wie von dem alten Mann – und nicht gewaltsam und menschenunwürdig herumzerren und Mutwillen mit mir treiben.

Josha vom Vogel – Dienstag 24. August 2014, in Dresden

3 Gedanken zu „Gedächtnisprotokoll eines Straßenmusikers in Dresden

  1. Pingback: Straßenmusiker in Handschellen

  2. Knick Knack

    Lassen wir uns nicht unterkriegen von diesen verbitterten Leuten! Und vielleicht verstehen die das ja dann sogar irgendwann, daß sie mit diesen Dingen, wie hier beschrieben die Welt nicht besser, sondern schlechter machen?

    Liebe Grüße!

    P.S.

    Nenne den „alten verbitterten Sack“ – wenn es geht – bitte lieber „altes verbittertes Wesen“ oder so.

    Noch mal liebe Grüße!!!

    Antworten
  3. Pingback: Polizeieinsatz gegen Straßenmusiker | Freie Straßenkunst für alle!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *